DSG Team Christoph Sander

Heißes Heimspiel

Wer mich kennt, der weiß, wie sehr ich meine Heimatstadt Wien liebe! Und da ich nach wie vor auch das Laufen noch sehr liebe, finde ich es immer wieder aufs Neue schön, „daheim“ in einer der nachweislich lebenswertesten Städte der Welt an einer Startlinie stehen zu können.

Aufgrund meines Alaska-Abenteuers konnte ich bei der letztjährigen Auflage der ÖMS im Straßenlauf an selber Stelle nicht teilnehmen, weswegen ich mich umso mehr freute, heuer gemeinsam mit meinen lieben VereinskollegInnen und vielen bekannten Gesichtern starten zu können.

Während ich 2016 noch durch einen starken letzten Kilometer die ÖMS gewinnen konnte und mich schon ein wenig gezielter darauf vorbereitete, waren die Voraussetzungen heuer ein wenig anders: Günther und ich legten keinen großen Wert auf wirklich spezifische Trainings, da der Fokus wirklich voll und ganz auf die Hindernisse gelegt wird! Aber wenn die ÖMS eben schon mal vor der Haustüre stattfinden, wollte ich natürlich dennoch starten und den Lauf aus der Bahnsaison-Vorbereitung als gute Belastung mitnehmen.

Im Gegensatz zu vor zwei Jahren wollte ich dieses Jahr nicht für mich, sondern vor allem für meinen Verein und „mein“ Team laufen! Nichts desto Trotz hatte Günther mir eine klare Vorgabe für die zu Beginn sehr flache, und gegen Ende entsprechend schwierige Strecke vom „Riesenrad zum Rathausplatz“ gegeben.

Bei sommerlichen fast 30° Celsius wollte ich mutig beginnen und Richtung 15:30min für die ersten 5km Anlaufen – was dann ohne spezifisches Training passieren würde, war mehr oder minder egal bzw. konnte ich ohnehin nur schwer voraussehen…

Pünktlich um 17:30 Uhr ging es dann für mehr als 120 Meisterschaftsteilnehmer los – und das gleich relativ flott. Vor mir löste sich gleich eine 10-köpfige Gruppe mit allen Favoriten wie Audi Vojta, den Innenhofer-Twins – aber auch meinen Teamkollegen Stephan und Timon. Hinter der Gruppe führte ich einen großen Pulk knapp über 3:00min am ersten Kilometer an.

Das Tempo der Führenden konnte und wollte ich nicht mitgehen, stattdessen wollte ich selbst ins Rollen kommen, was auch gut funktionierte. Bis Kilometer vier (ca. 3:06’/km Schnitt bis dahin) fühlte ich mich auch richtig gut und alles lief wie geplant.

Zu meiner Freude entschloss sich dann der bisher hinter mir „klebende“ Mario Bauernfeind auch etwas für das Tempo zu tun und ging an mir vorbei. Wenig später jedoch konnte ich auf einmal nicht mehr folgen und musste Mario ziehen lassen. Ab der Hälfte des Rennens war mein Schritt dann plötzlich schwer und es ging nicht mehr sehr viel nach vorne…

Als wir den Prater verließen konnte ich zwar Seid Entriss ein- und überholen, doch die Brücke rauf zu Kilometer sechs gab mir dann ein wenig den sprichwörtlichen Rest. Durch den dritten Bezirk tat ich mir dann unter der Sonne laufend wahnsinnig schwer und hatte das Gefühl, mit jedem Meter unverhältnismäßig viel meiner Kraft zu verlieren.

Entgegen früherer Rennen konnte ich auf den anspruchsvolleren Kilometern Richtung Ring und dann am Ring hinauf zum Ziel nicht mehr zusetzen. Aus einem schnellen Finish wurde dann nichts mehr…

Irgendwann musste ich auch Seid wieder ziehen lassen und quälte mich, so wie die vor mir laufenden Jungs dem Ziel entgegen.

Auch die vielen Anfeuerungsrufe von Freunden und Bekannten – DANKE!!!! – brachten nicht die sehnsüchtig herbeigesehnte zweite Luft und so sah ich wie Mario in der Ferne Platz um Platz gutmachen konnte, während ich das Einbrechen meiner Konkurrenten aufgrund mangelnder eigener Geschwindigkeit nicht ausnutzen konnte.

Somit lief ich dann knapp über 32min auf Rang zehn ins Ziel – ein Sprint in selbiges war heute dann nicht mehr möglich, aber aufgrund der klar bezogenen Platzierungen auch nicht mehr nötig.

Im Ziel freute ich mich dann einmal sehr mit Stephan über seinen zweiten Rang hinter dem gewohnt souveränen Sieger Andi. Durch den zwar für ihn nicht zufriedenstellenden aber angesichts der letzten Wochen respektablen 8. Rang von Timon konnten wir am Ende sehr souverän den Team-Titel feiern! Bei meinem x-ten Versuch, selbigen mit meinen Jungs zu erobern, war es für mich eine Premiere und nach dem Cross-Titel vor einigen Wochen ein weiterer nationaler Meisterschaftsgewinn, den ich meiner Sammlung hinzufügen konnte.

Am Ende des Tages steht somit ein österreichischer (und Wiener) Titel auf der Habenseite. Die Zeit ist natürlich nicht das Gelbe vom Ei und wirklich nicht das, was ich am Ergebnisbericht sehen wollte. Ich kann aber meine Trainings, die Bedingungen und den Rennverlauf gut einschätzen und hoffe einfach, dass unsere Planung Richtung Hindernisse aufgehen wird und es somit ein guter Reiz für meinen bald 30-jährigen Körper war!

Jetzt geht es dann wieder für ein paar Wochen ins Training, ehe Mitte Mai dann das nächste „Heimspiel“ auf dem Programm steht, wenn am 19. Mai der österreichische Staatsmeister über 3.000m Hindernis ermittelt wird. Wäre natürlich schön, dann meinen zwei Team-Goldenen eine Einzelmedaille hinzufügen zu können.

 

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