Deprimierender Uni-Start – "it’s over!!"

Mein Wintersemester hier auf der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz ist gerade einmal 3 Tage jung, und schon machen sich Depression und Resignation breit!
Nicht jedoch weil ich am Montag um 8:00 Uhr etwa schon in der Halle beim Tennis stand, oder gestern von 10:00-19:00 Uhr fast durchgehend Uni hatte (fast deshalb, weil die 75minütige Mittagspause für Minutenläufe genutzt wurde)! Auch die immer noch aus dem Sommersemester zu erledigenden Seminararbeiten sind jetzt nicht so die Belastung hier!

Nein, der Grund für meinen depressiven und vor allem aggressiven Gemütszustand ist ein ganz anderer! Ex-Studienkollege und immer noch Schwimmstar der von mir gerade am Nationalfeiertag so geliebten Alpenrepublik Dinko Jukic ist tatsächlich frei wie ein Vogel!
Damit meine ich selbstverständlich nicht, dass man Dinko aus dem Gefängnis frei gelassen hat (wo er nie war), sondern spielt auf seinen eigenen Facebook-Status „it’s over!! freeeee!!“ nach der „Urteilsverkündung“ durch die NADA zu Wochenbeginn an! Dinko hat dieses Jahr eine gewöhnliche Dopingkontrolle nicht „über sich ergehen lassen“ wollen und die Probe quasi verweigert, was laut den Anti-Dopinggesetzen unseres schönen Landes einem positiven Dopingtest gleichkommt und somit eine Sperre durch die NADA nach sich zieht!

Nach Monaten des Wartens und Hinhaltens (während denen Dinko u.a. trotz schwebenden Verfahrens bei der Langbahn-WM in Shanghai für Österreich startete) hat laut OSV-Präsident (und ÖOC-Vize-Präsident) Paul Schauer „der Sport obsiegt“ – und Dinko wurde frei gesprochen!
Für nahezu alle (ehrlichen) Sportler und Innen in Österreich ist das natürlich ein Schlag ins Gesicht, dessen Härte mit der eines Schlages von einem der Klitschko-Brüder zu vergleichen ist! Da gibt es bei uns in Österreich seit gerade mal drei Jahren ein Anti-Dopinggesetz, und schon jetzt wurde es von den Herrsschaften der NADA praktisch begraben! Ein klares Vergehen zieht aus den unterschiedlichsten Gründen doch tatsächlich überhaupt keine Strafe nach sich!!

Unfassbar!! Undenkbar im normalen Leben!! Ich kann ja hier auch nicht dem Studierendenwerk nichts für mein Zimmer zahlen und mich nachher ausreden, ich hätte nicht gewusst, was zu tun ist!! Ich fahre auch nicht ohne Fahrschein, werde erwischt und werde dann mit „zugedrückten Augen“ vom Kontrolleur heimgeschickt!

Fehlverhalten MUSS Konsequenzen nach sich ziehen!!! Vor allem im Sport, der von Grund auf schon auf Regeln aufgebaut ist und nur unter deren Einhaltung auch vergleichbar und vor allem FAIR bleibt!!! Wenn ich dann aber solche Entscheidungen wie jene der NADA im Fall Dinko Jukic liest, geht mir persönlich auf wienerisch gesagt „das Gimpfte auf!!!“ Die Vorbildwirkung von Sportlern wird da sowieso völlig außer Acht gelassen – denn wieso sollten Nachwuchssportler nicht zu illegalen Mitteln oder sonstigen, gegen die Anti-Dopingrichtlinien verstoßenden Methoden greifen, wenn sie nun das Wissen erlangt haben, dass ihnen bei guten Ausreden und einflussreichen Freunden wohl nichts passieren wird?!?!

Ich sage sicher NICHT, dass Dinko jetzt gedopt hat/ist oder seine Leistungen durch „Zuhilfenahme“ verbotener Substanzen erreicht hat – denn da ist auch NICHTS bewiesen! Allerdings ist das, was er durch die Verweigerung der Durchführung der Probe getan hat, einfach ein Verstoß gegen die Anti-Dopingrichtlinien und auch als solch einer zu handeln!!

Ich meine, was macht denn das für ein Bild, wenn Vergehen gegen die wohl wichtigsten Grundsätze im modernen Leistungsport nicht geahndet werden?? Wo bleiben da die ach so ehrbaren Grundsätze des Sports, wie sie uns beispielsweise bei Olympischen Spielen (Olympischer Gedanke ist das Synonym für fairen, ehrlichen, sauberen völkerverbindenden Sport) oder Fußball-Weltmeisterschaften (Stichwort Fair-Play) vorgegaugelt werden?? Dass der Sport schon Jahrzehnte nicht mehr sauber ist, ist wohl jedem Leistungssportler klar – selbst wenn er durch die berühmte rosa-rote Brille schaut! Doch warum dann bei jeder Gelegenheit die Ideale des Sports mit Händen und Füßen verprügelt werden, ist für mich einfach nicht nachvollziehbar!!

Mit meinem Unverständnis für die Entscheidung der NADA stehe ich bei Gott auch nicht alleine da!! Nationaltrainer Willy Lilge, den ich vor allem für seinen unermüdlichen (und unentgeldlichen!) Kampf gegen Doping in Österreich sehr schätze, poltert völlig zurecht auf seiner Vereinsseite über die Urteilsverkündung und vor allem seine Begründung!
Mit Andrea Mayr hat sich die von mir am meisten geschätzte Persönlichkeit des Österreichischen Spitzensports persönlich an die NADA gewandt, um ihren Unmut kund zu tun! Und sogar die ehemalige Triathletin und selbst des Dopings überführte Lisa Hütthaler stößt das Urteil der NADA schwer auf – und die sollte aufgrund ihrer Vergangenheit ja bestens über die Schattenseite des Sports Bescheid wissen!!

Auf Facebook habe ich alleine von meinen Freunden über 100 (!) Comments der Empörung und des Entsetzens über die NADA Entscheidung gelesen!! Und da sind bei weitem nicht nur Leistungssportler dabei, sondern viel mehr Menschen mit gesundem Hausverstand die wissen, dass Unrecht und Vergehen mit Strafe geahndet werden muss!!
Dass dieser Hausverstand bei einigen Funktionären und Sportlern in Österreich offensichtlich nicht ganz so gut ausgeprägt ist (um es einmal vorsichtig zu formulieren), finde ich einfach ungeheuerlich und stimmt mich nicht nur aggressiv, sondern auch sehr traurig!!
Denn in eine rosigere Zukunft ohne Betrug und Täuschung im Sport wird uns der diesen Montag eingeschlagene Weg mit Sicherheit nicht bringen …

Zum Schluss, weil in dieser Zeit unbedingt erforderlich: FÜR ALLE VON MIR GENANNTEN PERSONEN UND INSTITUTIONEN GILT KLARERWEISE DIE UNSCHULDSVERMUTUNG!

Über Christoph Sander

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