8:55,39min – für den Anfang!

Eeeeendlich! Die „blöde 9“ endlich gekillt. Erledigt. Vernichtet. Begraben. Und für immer aus meiner Vita entfernt! Und das schönste daran? Ich habe die letzte einstellige Zahl vor der Zweisamkeit durch eine formschöne, oben schmale und unten etwas bauchige 8 ersetzt!
Das war – wenn auch nicht so ausgeschmückt – mein erster Gedanke nach Überqueren der Ziellinie im Uni-Stadion von Regensburg bei der Sparkassen-Gala zur Primetime.
Und der zweite? „Ey scheiße wo ist denn eigentlich mein Spike?!“
Jaja, Rennen in Regensburg haben in den letzten Jahren bei mir doch einen eher seltsamen Verlauf genommen! Im Vorjahr mehr krank als gesund sich mal selbst mit einer 1500m-Bestleistungssteigerung von neun Sekunden überrascht – dafür Wochen später nach Spike-Attacke und verkorkstem Steeplerennen beim Krankenwagen gelandet. Also weshalb sollte dieses Jahr einfach nur gelaufen und dabei noch 28 Mal ein Hindernis und sieben Mal der Wassergraben überlaufen werden. 
Anfangsphase im starken Feld

Aprospos Wassergraben und dazugehöriger Balken. Der Stand die Woche doch glatt da – und dann noch wie eine Eins! Zur Sicherheit ging es aber vor dem Rennen noch einmal zur Kontrolle. Und weil ich schon dort war, hab ich auch gleich auf Holz geklopft. Das war aber ob des Zeitplans ohnehin nicht notwendig, da die Frauen ja erst nach uns laufen sollten… 😉

Gut jetzt aber alles der Reihe nach: Freitag angekommen, schwere Beine gehabt und mit der ungewohnten „Hitze“ nur schwer was anfangen können. Beim Aktivieren am Samstag vormittag lief’s dann umso runder und ich fieberte dem Start entgegen…
19:55 Uhr wäre der planmäßige Start gewesen – doch wie das im Jahr 2013 bei mir nunmal so zu sein hat, verzögerte sich alles um eine gute halbe Stunde. Gegen halb neun war es dann aber soweit und wir durften endlich los. Ganz innen startend, kam ich gut weg, hatte aber schon nach den ersten rund 150m etliche Läufer vor mir. Das war mir jedoch sehr recht, da ich alle vor mir platzierten Kontrahenten kannte und mich so gut orientieren konnte. Nach den obligaten ersten schnelleren und dafür technisch unsaubereren 600m lag ich wohl so um Rang 10. Trotz dosiertem Beginn habe ich die 1000m-Marke wohl bei 2:55′ (+/- 1,5sec…) passiert. Nach dem dritten Wassergraben, in etwa beim Einbiegen auf die Start-/Zielgerade, trat mir dann ein Mitläufer auf gut deutsch „in die Hacken“, wodurch sich mein Schuh bei der Ferse löste…
im Kenia-Style weil ohne Spike 😉 (© Lilge)

Mit immer locker werdendem Schuhwerk schossen mir nun unzählige Nebensächlichkeiten in den Kopf. Themen wie „dran bleiben“, „attack the barriers“ oder „der gehört dir“ wurden rasch verdrängt von mehreren Optionen: Stehen bleiben und Schuh anziehen, mit einer Kickbewegung den Schuh loswerden, oder einfach aussteigen und von dannen ziehen… ich entschied mich Gott sei Dank zum Weiterlaufen. Der kommende Wassergraben erledigte die Denkarbeit ohnehin für mich, verlor ich meinen rechten Spike doch beim Abdruck aus dem schrägen Graben. Eine Runde nach dem Hackentritt annähernd dieselben Gedanken. Weiterlaufen ohne Spike? Oder … ? Ja was eigentlich „oder“? Echt eine blöde Frage, jetzt war’s ja eh schon egal. Die letzten drei Runden brachen an – und währenddessen brachen vor mir die Läufer ein! Also, Herz in die Hand genommen, die brennende Sohle versucht wegzustecken und alle 397m gibt’s sowieso den kühlen Wassergraben. Nachdem das Tempo in der Mitte des Rennens deutlich eingeschlafen war – die 2000m passierte ich in etwa 6:01′ – lief ich nun mit der „Drauf-Geschissen-Taktik“ richtig gut. Technisch wie auch läuferisch ging es voran und am letzten Kilometer kassierte ich Läufer, die mit Bestzeiten von 8:35-40′ angereist waren! Eingangs der letzten Runde war auch Sportsfreund Steinhammer plötzlich wieder in Reichweite und ich kam immer näher. Zwischen uns entscheidet sich spätestens am kommenden Freitag, wer zur Team-EM nach Kaunas entsandt wird – und wer daheim bleiben muss! Ich forcierte auf der Gegengeraden noch einmal, attakierte die letzten drei Balken als ob es die letzten Hindernisse meines Lebens wären … doch ich kam nicht mehr heran! Im Ziel waren es nicht einmal zwei Sekunden die uns trennen sollten – auf den israelischen Sieger fehlten mir als am Ende im internationalen Feld sogar drittplatzierten auch nur mehr rund fünf Sekunden!

Was für ein Rennen! Bestzeit pulverisiert und beim ersten Mal sub 9:00-Minuten dann gleich mal richtig deutlich! Und nebenbei ja auch noch meinen Spike verloren. Ach ja genau! Wo war der denn jetzt abgeblieben?! Bisschen rumgefragt und rumgeschaut, und dann doch bald wieder bekommen. Kollege Christof Neuhaus, Dortmunder Läufer und Flagstaff-Bekannter, brachte ihn mir quer über die Wiese, nachdem er ihn zuvor aus dem Graben gefischt hatte! Herzlichen Dank dafür, wenn gleich ich nach dem Gang zum Schuster unter der Woche, der die großen Risse im Vorfußbereich flickte, erst wieder einen Spike mit löchern habe. Naja, was tut man nicht alles für eine neue Bestzeit! Vor allem, wenn diese für mich bedeutet, dass ich nun der 20. schnellste Hindernisläufer in der österreichischen Geschichte bin! 🙂
Meinem rechten Fuß geht’s übrigens den Umständen entsprechend sehr gut! Hie und da brennt’s und zeiht’s dann doch noch ein wenig, aber bei den freitägigen Meisterschaften kann ich ihn ja wieder sieben Mal kühlen. Hoffentlich erfolgt die Wasserkühlung jedoch mit Spike am Fuß… 😉

Hier noch der Bericht auf der ÖLV-Seite mit weiterem Foto: ÖLV-Bericht

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