Hindernisstaatsmeister!!!

am Weg zum Titel (© Plohe)

„Oh wie ist das schön,

so was hat man lange nicht gesehen,
so schön, so schön!“
Am Freitag gelang mir, was seit 1961 (!) keinem Wiener Leichtathleten mehr gelang: der Gewinn des Staatsmeistertitels im 3000m Hindernislauf!
Ich kann meine Glücksgefühle auf der Zielgeraden kaum in Worte fassen! Jeder von uns läuft denke ich, um irgendwann mal zu gewinnen! Seit ich mit 16 Jahren bei meiner ersten ÖM im Wiener Happel Stadion gelaufen bin (und sang und klanglos 8. und letzter wurde…), träumte ich von einem Meistertitel über die Hindernisdistanz. In meiner gesamten Nachwuchskarriere gelang mir das nie. Selbst bei meinen Vizetiteln war ich ehrlich gesagt nie wirklich knapp am Sieg dran, wenn gleich die Rennen durchaus gut waren. Auch bei meinen Vizestaatsmeistertiteln 2011 und 2012 war ich zwar nur einige Sekunden zurück, doch eng wurde es auch da nicht! Am Freitag war es dann aber endlich soweit!

„Paper doesn’t run races“ kursiert derzeit als Motto bei einigen Läufern des Landes, was für mich einerseits bedeutete, dass ich meinen großen Rivalen und Sportsfreund um den Titel, Christian Steinhammer, noch nie zuvor geschlagen hatte, andererseits aber auch, dass meine Chancen auf den Titelgewinn ob der Saisonresultate noch nie so groß waren.
Anfangsphase (© Plohe)

Das Rennen im größten Meisterschaftsfeld seit Jahren begann erwartungsgemäß. Christian setzte sich in der Startkurve an die Spitze und ich folgte ihm. Mit dabei an der Spitze war auch noch ein Läufer aus Slowenien, der eine Zeit unter neun Minuten anpeilte. Die erste Runde spulten wir in 69“ Sekunden ab – die Kilometermarke in etwa 2:56′. Zu dem Zeitpunkt war ich ständig an Christian dran und blieb auch hinter ihm, als er auf der Gegengeraden zwei Mal aufmachte. Etwa vier Runden vor Schluss übernahm ich dann die Führung und versuchte, Christian abzuschütteln. Das gelang mir trotz leichter Tempoverschärfungen zunächst noch nicht. Dennoch merkte ich gerade beim Wassergraben, dass ich besser über die Hindernisse kam. Auf den letzten drei Runden (2000m in ca. 5:57′) machte ich dann ernst. Beim Überrunden nach dem Wassergraben schlüpfte ich innen vorbei, während Christian den weiteren Weg hatte.

mit beiden Spikes 😉 (© Plohe)

Mit dem klassischen „Jetzt-oder-Nie-Gedanken“ und unter den Anfeuerungen meiner extra länger gebliebenen VereinskollegInnen und Freunde attackierte ich und wollte unbedingt die Entscheidung erzwingen. In der vorletzten Runde konnte ich mich dann sukzessive absetzen. Während Christian abriss, konnte ich gerade auf der letzten Runde noch einmal zusetzen und was draufpacken!
Letzter Wassergraben. Kurzer Blick über die Schulter – niemand in Sicht! Mit der Gewissheit, dass auch das letzte Hindernis für mich keines darstellen würde, ballte ich erstmals die Faust. Nach dem Hindernis gab’s dann trotz Erschöpfung kein Halten mehr. Mit weit aufgerissenen Armen überquerte ich am Ende deutlich vor Christian die Ziellinie. Die Freude stieg dann gleich noch mehr, als ich die Uhr erblickte: 8:53,21min!!!

Unfassbar! Staatsmeister mit neuer Bestleistung, neuem Vereinsrekord und ÖLV-Jahresbestleistung. Dazu noch das Ticket für die Team-EM am kommenden Wochenende! Unbeschreiblich! Mehrmals schrie ich meine Freude noch in die warme Rieder Nachtluft! Kindheitstraum erfüllt! Oh wie ist das schön! =)
Bei meinem ersten ORF-Interview überhaupt fehlten mir dann zu Beginn ein wenig die Worte und auch Pressechef Andreas Maier vom ÖLV musste sich ein wenig gedulden, bis ich ihm Brauchbares liefern konnte! 
glücklich beim Interview

Die Siegerehrung war dann ebenfalls total emotional – wenn mein Trainervater Karl nicht langen Schultag gehabt hätte und vor Ort sein hätte können, wären wohl sogar Freudentränen geflossen… 😉
Ich weiß, es sind nicht Olympische Spiele der Kontinentalwettkämpfe, doch für mich bedeutet dieser Titel einfach so unendlich viel!
Da ich gerade keine Worte finde, wie ich die Bedeutung des Titels für mich beschreiben könnte, lasse ich es auch lieber! 🙂

Freude mit Jenni 🙂
Am Ende des heutigen Eintrages möchte ich mich stattdessen noch für alle Anfeuerungen meiner Freunde vor Ort sowie allen Gratulanten via Telefon, SMS oder facebook bedanken! War echt schön zu sehen, wie viele Leute sich mit mir gefreut haben! 😉

Über Christoph Sander

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